Hör doch einfach mal zu! So stehe ich zum Thema „Zuhören“

Hör doch einfach mal zu! So stehe ich zum Thema „Zuhören“

Es ist schon spät heute Abend, aber ich habe meinen Laptop angeschaltet und muss etwas niederschreiben, was mir eben durch den Kopf ging und was mich wirklich beschäftigt.

Typisches Szenario bei uns: „Meine Eltern sind zu Besuch und alle sitzen an einem Tisch und reden durcheinander. Im Grunde kommt nichts von dem Gesagten überhaupt beim Gegenüber an. Mein Sohn setzt an, um etwas zu erzählen, aber er wird übertönt. Gleichzeitig versuche ich mein Glück – auch ich scheitere vergebens. Alle reden, aber einen Mehrwert hat es nicht.“

Andere merken es eventuell gar nicht, aber mir fällt es verstärkt auf. Auch im Bekanntenkreis ist das so und ich ertappe mich selbst dabei, dass ich Dinge nicht wahrnehme oder gänzlich überhöre. Wenn meine Freundin sagt: „Das habe ich dir doch schon erzählt.“ Dann rattert es in meinem Kopf und mir fällt es eventuell wieder ein – eventuell aber auch nicht.

ZuhörenMich stört das massiv, denn mir gehen sogar Termine durch, weil ich zum Beispiel meinen Kindern oft nur im Vorbeigehen zuhöre. Eigentlich nutze ich die Essenszeit, damit wir uns alle austauschen können, aber auch hier sprudeln die Kinder natürlich um die Wette, um von ihrem Tag zu erzählen und dann gehen wichtige Fakten häufig an mir vorbei.

Zuhören lernen

Kennt ihr das denn auch? Woran liegt es, dass wir uns nicht mehr richtig zuhören? Ist es der Stress, der uns schon einen Schritt weiter denken lässt? Ich glaube bei mir liegt es daran. Wenn ich telefoniere, dann mache ich ganz viele andere Tätigkeiten nebenbei und das führt natürlich dazu, dass ich nicht aufmerksam genug bin. Ich habe beschlossen: Das muss ein Ende haben und aus diesem Grund habe ich mir Maßnahmen überlegt, um das Zuhören wieder zu ermöglichen. Denn ich finde, dass es eine Frage des Respekts ist, meinem Gegenüber die Zeit und Aufmerksamkeit zu geben, die er verdient.

Zuhören

Meine Tipps für besseres Zuhören:

  • Klingelt das Telefon und ich habe wirklich keine Zeit, dann werde ich das Telefonat verschieben. Früher habe ich gedacht, dass es unhöflich sei, wenn ich meinen Gegenüber auf einen anderen Zeitpunkt verweise. Aber ich verschiebe das Telefonat künftig einfach auf eine Tageszeit, an der ich ungestört bin und meiner Freundin, Mutter, Schwester oder anderen Personen die volle Aufmerksamkeit widmen kann.
  • Ich gebe jedem meiner Kinder seinen eigenen Gesprächsraum. Diese Zeit wird Abends stattfinden. Eine Stunde bevor meine Jungs ins Bett gehen werde ich mit beiden sprechen. Jeder hat seine eigene Zeit und zwar ungestört in seinem Zimmer. Dort kann er alles loswerden, was ihm auf der Seele liegt. Besonders mein Großer braucht mittlerweile seine Gesprächszeit. Er steht am Anfang seiner Pubertät und erzählt mir momentan Dinge, die sonst niemand weiß. Mir ist es extrem wichtig, dass er das Vertrauen zu mir nicht verliert und mit mir alles besprechen kann.
  • Ein guter Zuhörer besteht übrigens nicht daraus, dass er nur zuhört und womöglich völlig schweigt. Zu einem guten Gespräch gehört auch, dass man Zwischenfragen stellt und somit das Interesse zeigt, dass der Freund, die Freundin, die Mutter oder das Kind verdient. Das mache ich bisher eigentlich immer, dass ich nachfrage, wenn meine Lieben mir etwas erzählen. Es geht darum, die Emotionen und Motive des Gegenübers zu erfassen. Zudem vermittelt es gegenseitige Wertschätzung.
  • Unterbrechen! Ein Faktor, der auf mich wirklich zutrifft. Ich bin eigentlich ein guter Zuhörer, aber ich habe Momente, in denen ich unbedingt meine 1000 Worte an den Mann oder die Frau bringen will und da sprudele ich los, auch wenn mein Gesprächspartner noch spricht. Ich merke das dann selbst und entschuldige mich meist sofort. Manchmal rede ich aber auch einfach weiter und das tut mir im Nachhinein leid. Darauf werde ich künftig noch mehr achten.
  • Nicht Belehren! Ui, auch das kann ich recht gut. Ich möchte nur Ratschläge geben, aber die sind vielleicht nicht immer angebracht, weil es teilweise nicht gefragt ist. Tipps darf man gerne geben, aber nicht ungefragt. Konstruktiv sollte es sein und das werde ich künftig gerne machen, wenn ich darum gebeten werde!

Ich wüsste nun gerne von euch, ob ihr auch solche Erfahrungen zum Thema Zuhören gemacht habt oder ob eure Gesprächsabläufe immer ausgewogen sind? 

34 Gedanken zu „Hör doch einfach mal zu! So stehe ich zum Thema „Zuhören“

  1. Das Problem mit dem zuhören kenne ich sehr gut, ich kann mir viel merken aber in letzter Zeit erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich etwas doch nicht mehr so weiß. Bestimmte Gesprächszeiten festlegen finde ich persönlich nicht so gut, da würde ich bis abends nicht mehr wissen was ich mittags erzählen wollte, und mittags wäre es mir aber wichtig gewesen es zu erzählen. Aber da hat ja jeder seinen eigenen Weg 🙂

    Liebe Grüße
    Carry von Living the Beauty

    1. Liebe Carry,

      da bin ich aber froh, dass es nicht nur mir so ergeht 😉
      Wichtige Dinge werden natürlich sofort angesprochen.
      Aber generell finde ich es gut, wenn jeder nochmal seinen Rahmen bekommt. Besonders bei Kindern kann dies sehr wichtig sein.

      Liebe Grüße

      Christine

  2. Ein wirklich interessanter Artikel! Du hast so recht, Zuhören können ist wirklich eine Kunst! Für mich zu einem guten Gespräch gehört auf jeden Fall zuhören! Dialog statt Monolog! Aber die Fähigkeit, möglichst wenig zu unterbrechen muss ich noch ein wenig üben! 😉 Zuhören hat viel mit inneren Einstellungen zu tun und ich glaube du bist auf dem richtigen Weg!
    Liebe Grüße,
    Claudia

    1. Danke liebe Claudia!

      Ja, oft macht man sich gar keine Gedanken ums Zuhören und um das richtige Gesprächsverhalten.
      Man quatscht einfach drauf los und das manchmal eben auch ohne Rücksicht auf Verluste 😉
      Ich bin da ja auch so ein Kandidat. Aber ich werde jetzt mehr drauf achten und ein gutes Gespräch lebt ja auch vom Geben und Nehmen. So wie in vielen anderen Situationen auch.

      Ganz liebe Grüße

      Christine

    1. Liebe Sarah-Allegra,

      ja, bis vor ein paar Wochen war es für mich noch eher unbedeutend, aber mir fiel es immer stärker auf, dass viele Gespräche ins Leere gehen und das ist schade. Natürlich gibt es auch unglaublich gute Gespräche, das darf man nicht vergessen.

      Liebe Grüße Christine

  3. Hi Chris,
    ja zuhören muss man lernen und oft ist es dann so, dass man nicht an dem, was andere erzählen, interessiert ist, und es daher zum einen Ohr rein und zum anderen rausgeht.
    Liebe Grüße
    Anja

  4. Sehr schöne Tipps! Ich hoffe, dass meine Selbsteinschätzung stimmt und ich eine ganz gute Zuhörerin bin – aber mir ist auch schon oft aufgefallen, dass es vielen Leuten überhaupt nicht leicht fällt. Von daher absolut gut, einmal auf das Thema hinzuweisen. 🙂 Nützt ja jedem etwas!

    1. Liebe Sarah,

      das klingt doch schon mal super, dass du so ein guter Zuhörer bist.
      Ich glaube man kann sich selbst ganz gut einschätzen.

      Liebe Grüße

      Christine

  5. meine liebste Christine,
    du sprichst mir aus der Seele – und es scheint mir ein Wunder, dass es überhaupt mal jmd. anspricht bzw. eben auf einen Blog bringt. weil wir uns ja nichts mehr zuhören und das scheinbar noch nicht mal mitbekommen …

    das beschriebene Szenario könnte von meinem eigenen Familienfrühstückstisch stammen … und von den Telefonaten mit meiner Ma 😉

    vl liegt es daran, dass wir so hektisch und busy im Alltag sind, dass wir unsere Gespräche Monologen gleich einfach nur runterspulen um sie auch ja gesagt zu haben?! das sollte man unbedingt ändern!
    schöer Reminder 🙂

    hab eine tolle Woche und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

    1. Schöne Worte liebe Tina!

      Ich bin ja wirklich beruhigt, dass es nicht nur bei uns so abläuft 😉
      Aber Erkenntnis ist ja der erste Weg zur Besserung … daher hoffe ich, dass viele diesen Beitrag lesen und sich vielleicht auch reflektieren. Denn Gespräche sind so etwas wunderbares!

      Liebe Grüße

      Christine

  6. Liebe Christine,
    du schreibst einfache und wichtige Tipps, damit wir unsere Mitmenschen richtig wahr nehmen und zuhören! Es ist sicherlich nicht einfach bei ganz vielen Menschen am Tisch vernünftige Gespräche zu führen, aber am Familientisch. Da sollte es EIGENTLICH funktionieren! Manchmal muss man sich nochmal vor Augen führen und lesen, wie wir unsere gemeinsame Zeit zum Zuhören sinnvoll gestalten können! Und am Essenstisch ist es die beste Gelegenheit…

    Hab einen schönen Abend!
    Alexandra.

  7. Das Szenario kenne ich gut!
    Ich versuche mir immer die Zeit zu nehmen mich auf ein Gespräch zu konzentrieren. Habe ich sie nicht, dann sage ich das. Hat mein Gegenüber das nicht, dann schreibe ich meistens eine Nachricht. Darauf erwarte ich keine Antwort, Freunde und Familie wissen, ich mache das, weil ich es sonst zu einem andern Zeitpunkt wieder vergessen hätte.
    Aber es gibt Menschen bei denen habe ich festgestellt, dass sie einfach nur selber gerne reden und wenn andere an der Reihe sind, städig dazwischen funken oder abgelenkt sind. Ich muss zugeben, dann höre ich meistens weg!

    xo Rebecca
    https://pineapplesandpumps.com/

    1. Liebe Rebecca,

      oh, das kenne ich gut. Menschen, die nur von sich erzählen oder permanent reden, so dass man selbst kein Durchkommen hat. Da schalte ich auch ab muss ich sagen. Das ist dann auch kein ausgewogenes Gespräch mehr, finde ich.

      Liebe Grüße

      Christine

  8. Ich finde es persönlich sehr anstrengend, wenn durcheinander gesprochen wird. Zumindest wenn es sich um ein echtes Gespräch handelt. Wobei ich selbst auch mal unterbreche, um wie du auch schreibst etwas unbedingt dazu zu sagen. Ich arbeite aber daran und merke es mir inzwischen, so kann ich das ziemlich gut im Griff halten. Manche Menschen muss man allerdings auch mal unterbrechen, sonst nimmt man nur Teil an einem Monolog 🙂
    Schönen Abend

    1. Oh, wie Recht du hast!
      Monologe kenne ich auch zu gut.
      Da hört man automatisch irgendwann nicht mehr zu 😉

      Dir auch einen schönen Abend!

      LG Christine

    1. Liebe Vera,
      das stimmt, als Rezeptionistin musst du gut zuhören können.
      Ich schaue mir gerade Hotels für unseren Sommerurlaub an und gerade da lese ich derzeit viel über die Rezeptionen.
      Es ist Gold wert, wenn man da gut zuhören und reagieren kann.

      Wünsche dir noch einen tollen Abend!

  9. Schön geschrieben! Gerade bei der Arbeit in Terminen kommt es oft vor das die Leute nicht richtig zuhören. Ich finde das richtig anstregend. Es ist unheimlich wichtig jeden mal zu Wort kommen zu lassen und auch aufmerksam zuzuhören, ohne immer dazwischen zu reden.

    Liebe Grüße
    Sybille von Billchen’s Beauty Box

  10. Das hast du wirklich wunderbar geschrieben und ich denke, da können sich die meisten gleich mal an der Nase packen: wenn mir jemand etwas erzählt, dann sausen die Gedanken oft schon zu den noch offenen Aufgaben, zur Einkaufsliste, zur To-Do-Liste. Ich schaffe es oft nicht, kein Multitasking zu betreiben und mich auf eine Sache zu konzentrieren: neben dem Fernsehen wird noch im Internet gesurft, neben dem Essen ein Buch gelesen, neben dem Telefonieren zusammengeräumt. Daher ist es super, dass du dieses Thema aufgegriffen und gleich ein paar Verbesserungspunkte angeführt hast. Mal sehen, was ich davon alles umsetzen kann.
    Alles Liebe und einen schönen Abend

    1. Danke schön! Das freut mich! Und toll, dass du dich auch reflektierst!
      Ich kenne das auch mir den 1000 Dingen, anstatt man sich einfach mal auf eine Sache konzentriert.

      Liebe Grüße

      Christine

  11. Ich weiß gar nicht, ob das am Stress liegt. Nachweislich sinkt die Konzentrationszeit zunehmends, was zum einen positiv ist und zum anderen negativ. Wir können Informationen zwar schneller aufnehmen aber überhören oder übersehen manchmal eben auch welche. Ich kenne das aber und es nervt mich auch unwahrscheinlich, vor allem bei Freunden. An mir selbst kann ichs dann ja wenigstens noch ändern.

    Liebst Daniela
    von http://cocoquestion.de

    1. Du hast Recht Daniela,

      es liegt auch an der Konzentration. Das ist mir nämlich auch schon aufgefallen. Mittags, wenn ich den ganzen Vormittag am Rechner saß, dann kann ich kaum was davon aufnehmen, was meine Kinder mir erzählen, da ich mich nicht darauf konzentrieren kann.
      Ein guter Aspekt!

  12. Woran es liegt, dass wir einander nicht mehr richtig zuhören? Nun, ich weiß es nicht, aber ich habe das Gefühl, dass sich in unserer Gesellschaft jeder selbst der Nächste ist. Das finde ich sehr schade und deshalb finde ich deinen Beitrag gut, damit man sich wieder einmal bewusst macht, wie wichtig zuhören eigentlich ist! Man will ja immerhin selbst auch gehört werden!

    Das mit dem Unterbrechen ist auch eine Krankheit von mir! Ich arbeite aber ständig daran und passiert es mir dennoch, mache ich es wie du und entschuldige mich sofort.

    Denn wie du richtig sagst, bewusstes Zuhören ist eine Sache des Respekts!

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

    1. Freue mich, dass der Beitrag dir gefällt liebe Kay!
      Ja, ich glaube fehlerfrei sind wir alle nicht, aber ich finde es wichtig,
      dass man sich reflektiert und dann kann man vieles ändern.

      Liebe Grüße

      Christine

  13. Ich glaube vieles liegt wirklich an den Dingen, die ja eigentlich unser Leben erleichtern sollen, aber uns in ständige „Rufbereitschaft“ und Aktionismus versetzen. Immer ist man mit den Gedanken schon bei der nächsten Sache und Blogger mal sowieso. Die ständige Verfügbarkeit und die ständige Erwartung von anderen, aber vor allen von einem selbst, dass man alles teilen muss. letztendlich frisst es den Augenblick. Dies beeinflusst auch unser Zuhör- und Kommunikationsverhalten total!

    Ich habe gerade eine innere multimediale Krise, wünsche mir manchmal echt, es gäbe nur den Augenblick und die Zeit zuzuhören, da zu sein – ohne dass das Handy vibriert, man denkt, man müsse das irgendwie festhalten oder schon wieder weiterziehen. Ich übe mich gerade darin, mehr im Augenblick zu leben und ein echtes Gespräch oder eine echte Erinnerung statt tausend Instastories oder Fotografien mitzunehmen. Ja, und unser gegenüber verdient es, dass man zuhört, das ist viel wichtiger als alles andere. echte Kommunikation! Austausch statt Selbstdarstellung kann sehr bereichernd sein.
    Viele liebe Grüße
    Chris

    1. Liebe Chris,

      du bringst es auf den Punkt. Diese Krise, die du gerade beschreibst, die kommt mir sehr bekannt vor.
      Ich lebe momentan auch nur noch für die Kommunikation, aber nicht im Real-Life, sondern durch das Bloggen in sozialen Medien.
      Das verändert einen und trägt nicht unbedingt dazu bei, dass man glücklicher ist.

      Danke für deine ausführliche Meinung zu dem Thema.

      Liebe Grüße

      Christine

  14. Hallo liebe Chris,
    so ein wundervoller Beitrag. Ich muss gestehen, dass ich meinem Freund ganz oft ein Ohr abkaue, ohne das er ansatzweise mal zu Wort kommt.
    Oft fällt mir auf, dass meiner Mutter manchmal Termine durch die „Lappen“ gehen, die ich ihr am Telefon gesagt habe. Wenn ich persönlich zum Kaffee trinken bei ihr bin und wir dann über wichtige Termine sprechen, vergisst sie und auch ich weniger Termine und generell hören wir uns „besser“ zu. Das glaube ich manchmal zumindest 🙂
    Ich wünsche dir einen schönen Abend
    Liebe Grüße
    Julia
    http://www.aboutjulia.de

    1. Liebe Julia,

      ich danke dir! Oh, ich glaube das können wir Frauen alle ganz gut, dass wir unseren Männern das Ohr ankauen. Sie tun mir schon manchmal leid, aber das liegt wohl irgendwie in unserer Natur 🤣.

      Einen tollen Abend!

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